„Fehlplanung stoppen!“ Veranstaltung zur baulichen Entwicklung im Rosenheimer Norden
Die „Interessengemeinschaft Rosenheimer Norden„, kurz IG Nord, beschäftigt sich seit vielen Jahren kritisch mit den Planungen von Stadt und Investoren bezüglich des Areals zwischen Bahnlinie und Westerndorfer Straße südlich des Ortsteils Westerndorf St. Peter. Der Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschuss hat in seiner Sitzung am 12.02. einer Änderung des Flächennutzungs- und dem Bebauungsplan „Marienberger Straße Nord“ mit den Stimmen von CSU, AFD, SPD und FW zugestimmt. Demnach ist die Gesamtfläche zwischen Rosenheim und Westerndorf St. Peter beplant und soll bebaut werden. Am 24.2.2026 findet eine Informations- und Diskussionsveranstaltung der IG Nord zu diesem Sachverhalt statt, am folgenden 25.2.2026 soll der gesamte Stadtrat zur Planung sein Einverständnis geben. Diese Sitzung ist wie immer öffentlich.
Rund um mehrere neue Straßenzüge sollen auf einem zentralen Baufeld Einrichtungen für Gewerbe und Nahversorgung mit den zugehörigen Flächen für motorisierten Verkehr entstehen. Ergänzt wird die Planung um weitere Baufelder für gemischte Nutzungen inklusive Wohnungsbau. Neben der Frage, wie sich große neue Flächen für Einzelhandel auf eine wohnortnahe dezentrale Versorgungsstruktur in den angrenzenden Quartieren auswirkt, wird seit langem kontrovers diskutiert, ob eine erkennbare Zäsur zum Ortsteil Westerndorf St. Peter erhalten werden soll. Die IG Nord hatte dazu den Vorschlag eines „Bürgerparks“ als öffentlichen Grünzug ins Spiel gebracht.
Laut Formulierung der Stadt „soll eine Brücke von der Bebauung im Norden der Stadt Rosenheim zum Ortsteil Westerndorf St. Peter geschlagen werden, die eine respektvolle Verbindung der Bebauung ermöglicht ohne jedoch die Ortsgrenze zwischen den einzelnen Stadtteilen völlig zu verwischen.“
Dieser bauliche „Brückenschlag“ mit „respektvoller Verbindung“ kann von vielen in der vorliegenden Planung nicht nachvollzogen werden, bzw. wird dieser städtebauliche Ansatz grundsätzlich abgelehnt. Nicht nur die IG Nord kritisiert die vorgelegte Planung, die aus Gründen der Wirtschaftlichkeit eine Bebauung auch nördlich der neuen Straßenverbindung bis an die Südgrenze von Westerndorf St. Peter vorsieht. Deutliche Kritik findet sich auch in den schriftlichen Stellungnahmen:
Die Regierung von Oberbayern beispielsweise sieht Widersprüche zum Landesentwicklungsprogramm, wonach eine Zersiedelung der Landschaft und eine ungegliederte, insbesondere bandartige Siedlungsstruktur vermieden werden soll. Wörtlich heißt es: „Mit der Realisierung der vorliegenden Planung würde sich die Stadt Rosenheim bandartig über den Ortsteil Westerndorf St. Peter nach Norden entwickeln und einen wichtigen gliedernden Freiraum, der sich westlich und östlich des Plangebiets fortsetzt und gleichzeitig eine bedeutende Kaltluftleitbahn darstellt, dauerhaft versiegeln. Um weiterhin eine klare Trennung der beiden Ortsteile zu garantieren und den o.g. negativen Folgen entgegenzuwirken, sollte der Planungsumgriff im Norden deutlich reduziert werden.“
Die Stadt weist den Vorwurf pauschal zurück: „Bandartige Siedlungsstrukturen im Sinne einer Zersiedlung sind mit der vorliegenden Planung nicht beabsichtigt. Dass sich das vorliegende Plangebiet zur Weiterentwicklung der nördlich und südlich unmittelbar vorgefundenen Siedlungsstruktur anbietet, liegt aus städtebaulicher Sicht auf der Hand.“
Auch der Rosenheimer Stadtheimatpfleger, der ehemalige Baudezernent der Stadt Rosenheim Helmut Cybulska, nimmt deutlich kritisch Stellung: „Die gewachsenen Strukturen verschwimmen, eine wirksame gliedernde Zäsur zwischen dem zum Teil noch ländlich geprägten Ortsteil Westerndorf St. Peter und den künftigen richtigerweise urban geprägten Entwicklungsflächen für Wohnen, Dienstleistungen, Nahversorgung und hochschulnahes Gewerbe wird schmerzlich vermisst.“ Cybulska bezieht sich dabei auch auf das erst kürzlich vom Stadtrat beschlossene ISEK, wo „die bestehenden Freiraumstrukturen zwischen den Ortsteilen zutreffend als bedeutsame Ausgleichsräume für die stadtklimatischen Herausforderungen“ dargestellt werden.
Auch der Bund Naturschutz und das Rosenheimer Forum üben fundamentale Kritik an der Planung und verweisen auf das Stadtentwicklungskonzept ISEK. Die Stadt beantwortet die Bezugnahme auf das erst im November 2025 beschlossene ISEK mit dem bemerkenswerten Satz: „Die Unterversorgung der Bevölkerung im Bereich der Nahversorgung, das künftige Bevölkerungswachstum der Stadt Rosenheim und der herrschende Siedlungsdruck innerhalb des Plangebiets machen ein Abweichen von gewissen Leitideen des ISEK notwendig.“
Die Planungsunterlagen und alle Stellungnahmen können im Informationssystem der Stadt Rosenheim eingesehen werden.
Untenstehend der Flyer mit der Ankündigung der IG Nord zu ihrer Veranstaltung am 24.02.2026 im Gasthof Höhensteiger. Eine ausführliche Pressemitteilung findet sich auf der Website der Veranstalter.